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Die Welt Drucken Bewerten Autor: Lili Eylon| 24.12.2010

Wohin des Weges?

 

Keine Ausreiseerlaubnis und fehlende Infrastruktur: Palästinensische Künstler haben es nicht leicht auf dem Markt. Und doch steigen auch für sie die Preise langsam an. Eine Spurensuche in Israel

Manche Künstler verkaufen ihre Bilder schon für 110 000 Dollar. Häufig sind es aber nicht mehr als 8000 Dollar

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Ahmad Canaan ist einer der wenigen, der es geschafft hat. Als Einwohner von Tamra - einer kleinen arabischen Stadt in Galiläa - ist Ahmad ein Kuriosum: ein palästinensischer Künstler, der von seiner Kunst leben kann.

Nachdem wir uns einige Mails hin- und hergeschickt haben, verabrede ich mich mit Ahmad zu einem Treffen im Hafen von Jaffa. Dort steht eine große Lagerhalle, in der früher die Fischer ihre Netze aufbewahrten. Nun hat sich dieser Halle in einen Kunstsalon verwandelt: den Jaffa Salon. Derzeit werden hier 150 Kunstwerke von 40 palästinensischen Künstlern ausgestellt.

Ahmad ist eine imposante Figur: Ein großgewachsener Enddreißiger, mit sanfter Stimme, Vater von vier Kindern und glücklicher Besitzer eines wunderschönen Hauses, wie er selbst sagt. Er ist der Kurator des Jaffa Salon.

Ahmad arbeitet zusammen mit Yair Rothman, einem Spezialisten für palästinensische Kunst. Er sei einer der wenigen in Israel, sagt Rothman zur Begrüßung, der Ausstellungen mit palästinensischen Künstlern organisiere und dabei helfe, dass ihre Werke Aufnahme in den diversen Auktionshäusern des Landes finden würden. Er und Ahmad wollen den Jaffa Salon in ein dauerhaftes Domizil für palästinensische Kunst in Israel verwandeln. Das wäre ein Signal für die Kunstszene dieses zweigeteilten Landes.

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Die Ausstellung läuft seit Oktober und für ein halbes Jahr. Danach möchte Rothman die Bilder an vielen Orten in der Welt zeigen. Es gebe großes Interesse von einheimischen und internationalen Sammlern für diese Kunst. Er spricht von steigenden Preisen (obwohl die Werke im Moment noch relativ billig sind) - vor allem auf Auktionen. Jetzt, wo der Friedensprozess endlich begonnen hat, sagt Rothman, gehe ich davon aus, dass all das hier wachsen wird.

Beim Rundgang durch den Jaffa Salon begegnet man einer Präsentation, die anscheinend die volle Bandbreite an möglichen Kunstformen und Stilen abzubilden versuchte: von realistisch-figurativer Malerei bis zum geometrischen Ornament und vollkommen freier Abstraktion, daneben Fotografie, Skulpturen, Keramiken. Bis auf wenige Ausnahmen hatten alle vertretenden Künstler zuvor ein Kunststudium an einer der Akademien Israels absolviert.

Es gibt hier kein Thema, kein gemeinsames Motto. Wir wollten einfach nur neue palästinensische Kunst zeigen, sagt Ahmad. Natürlich findet man Zeichen des politischen Protests in den Gemälden. Aber sie sind nicht sehr aggressiv. Die Botschaften sind unterschwelliger, subtiler.

Zahlreiche Bilder von Sabras-Hecken aus der Hand diverser Maler schmücken den Großteil einer Ausstellungswand im Jaffa Salon. Sabras sind wild wachsende, süß schmeckende Birnen. Einst markierten jene niedrigen Dornenhecken die Grenze zwischen den Häusern arabischer Familien. Nun sind sie alles, was geblieben ist, während viele Dörfer verschwanden, von Baggern eingeebnet. Die Sabras-Hecken sind ein stiller Protest gegen die Zerstörung. Die Galiläische Landschaft mit ihren Hügeln und Tälern in verschiedenen Schattierungen von Grün und Braun erzählt von einer Sehnsucht nach vergangenen Tagen.

Das teuerste Werk in der Jaffa-Ausstellung ist Gena, ein Bild von Michael Halak aus dem christlich geprägten Dorf Fasuta in Galiläa. Das Bild kostet 8000 Dollar. Ahmad Canaan sagt, die meisten Käufer palästinensischer Kunstwerke in Israel seien heute israelische Juden. Daneben gebe es einen kleinen Prozentsatz der arabischen Bevölkerung, die langsam damit beginne, Kunstwerke zu erwerben. Er selbst ist nicht nur Maler und Bildhauer sondern auch ein Experte in Sachen Selbstvermarktung: Seine eigene Galerie in Tamra, zieht sowohl Touristen als auch Sammler an, aus Israel genauso wie aus dem Ausland. Darüber hinaus konnte er seine Werke in Jordanien, in Dubai und über eine Galerie in Katar verkaufen. Als bekennender Israeli durfte er bisher nur in diesen drei arabischen Ländern ausstellen. Er hofft dennoch, dass er irgendwann auch in anderen Staaten des arabischen Raumes akzeptiert wird.

Canaans Skulpturen kann man in Japan finden, in Korea und Russland, in Sammlungen in Europa und Amerika; auf nahezu jedem Kontinent gibt es zumindest einen Sammler, der Werke von ihm hat. Es gibt Arbeiten wie sein Bild Meeting and Growing, die er für 25 000 Dollar verkauft hat. Er war auch schon bei einigen Auktionen vertreten - in Ostjerusalem und in den beiden Auktionshäusern von Tel Aviv, Tirosh und Montefiore. Sein nächstes Projekt wird ihn nach Russland verschlagen, er nimmt an einer Gruppenausstellung teil. Sein Ziel im Leben? Eine Skulptur in jeder Hauptstadt dieser Welt.

Hat Ahmad mit seinen Kunst spürbaren Erfolg, so ist es für andere seiner Landsleute schwieriger, Anerkennung zu bekommen: Eyad Sabbah, 37, lebt in Gaza-Stadt. Er malt, macht Skulpturen und Installationen, ist also ein Multimedia-Künstler im besten Sinne. Studiert hat er in Libyen und Ägypten, momentan lehrt er an der Al-Aksa University in Gaza. Seinen Arbeiten verkauft er, wenn überhaupt, in Gaza und Ramallah, manchmal auch in Israel. Er hatte bereits einige Einzelausstellungen. Im Sommer 2009 war er beim Gazas First Festival of Video Art dabei. Dessen Gründungsgedanke sei laut Sabbah: Die Verbesserung der Palästinensischen Kunstszene - da weder Künstler aus Gaza ausreisen, noch internationale Künstler nach Gaza einreisen dürfen.

Aufgrund der Reiseprobleme muss das Interview per Telefon stattfinden. Sabbah ruft mich von seinem Haus in Gaza aus an. Er erzählt, von seinen Anfängen als Künstler, 1989, da war er 17. Seine Eltern hätten ihn immer unterstützt, sagt er. So durfte er Kunst studieren. Er arbeite allein in seinem Atelier, in dem es - wie er sagt - an allem mangele. Sein Job als Kunstdozent nehme leider den Großteil seiner Zeit in Anspruch. Für meine eigene Arbeit bleiben nie mehr als vier Stunden am Tag. Er vermarktet sich durch kleinere Auktionen. Seine Ziele scheinen bescheiden: Eine Einzelausstellung, davon träumt er im Moment.

Vielleicht in Umm-al-Fahm. Die bekannteste arabische Galerie Israels befindet sich in der Kleinstadt, die auf dem gleichnamigen Höhenzug liegt. Farid Abushakra, der in dem Ort geboren wurde, begann seine Galeristenkarriere 1996. Seitdem zeigt die Umm-el-Fahem Art Gallery durchschnittlich vier Ausstellungen im Jahr. Auch Yoko Ono hat schon 1999 hier ausgestellt. Daneben bietet Farid Seminare für Künstler, Abendklassen für arabische Hausfrauen und Kunsttherapie für sozial schwache Jugendliche an. Farid kommt aus seiner kunstaffinen Familie. Seinen Bruder Said hat er zum Direktor der Umm-el-Fahem Gallery ernannt, wohingegen ein Cousin, der Künstler Walid Abushakra, kürzlich in einer Gruppenausstellung arabischer Künstler in Islamischen Museum von Jerusalem zu sehen war.

Asim, ein anderer aus dem Abushakra-Klan, starb 1990, viel zu früh. Asim wurde nur 39 Jahre alt. Nach seinem Tod stiegen die Preise. Für seine getöpferten Sabra-Birnen zahlten Sammler 2007 bis zu 110 000 Dollar. Der Helena Rubinstein Pavillon für zeitgenössische Kunst, ein Anbau des Tel Aviv Museum of Art, zeigte bereits 1994 eine umfassende Retrospektive von Asim Abushakras Werk.

Karrieren wie die von Asim Abushakra sind bisher die große Ausnahme. Noch scheinen die Künstler Palästinas vor allem damit zu kämpfen, eine funktionierende Marketingstruktur aufzubauen. Für Sammler hat das den Vorteil, dass sie noch Entdeckungen machen können. Und rechtzeitig einsteigen, bevor auch hier, in diesem geteilten Land, die Preise auf ein Niveau klettern wie an so vielen anderen Orten in der Welt.